Erste Hilfe     

Für alle (Not)fälle gewappnet Tipps für Erste-Hilfe-Massnahmen, die Zusammenstellung und den Gebrauch der Notfallapotheke.

Viele Tierfreunde sind sich der Tatsache nicht bewusst, dass erst in zweiter Linie High-Tech-Apparaturen, Spezialinstrumente und teure Medikamente über Erfolg oder Misserfolg einer tierärztlichen Notfallbehandlung entscheiden. In der Frühphase eines Notfalles ausserhalb der Tierarztpraxis ist nämlich, wo immer möglich und sinnvoll, vor allem korrektes, kurzentschlossenes und beherztes Eingreifen des Hundebesitzers gefragt. Erkennt dieser die typischen und augenfälligen Anzeichen einer gefährlichen oder gar lebensbedrohlichen Situation, schützt diese richtig ein und leitet die nötigen und sinnvollen Erste-Hilfe-Massnahmen ein, kann vielleicht das Allerschlimmste verhindert werden.
Die nachfolgenden Anleitungen zur Notfall- und Erstversorgung von verletzten oder ernsthaft erkrankten Hunden beschränken sich auf Massnahmen vor Ort und auf den Transport in die Tierarztpraxis. Sie ersetzen keinesfalls den Tierarztbesuch, verbessern oder ermöglichen aber die Chancen auf eine glückliche Rettung.

Typische Notfallsituationen

Eine Notfallsituation ist immer dann gegeben, wenn lebenswichtige Organ- oder Körperfunktionen nicht oder nur eingeschränkt aufrechterhalten werden können, wenn kaum oder nicht mehr zu behebende Schäden zu befürchten sind oder akute Lebensgefahr besteht (Ersticken, Verbluten, Kreislauf-, Atem- oder Herzversagen oder Aussetzen der Hirnfunktion).
Notfälle lassen sich mindestens einer der nachfolgend aufgeführten 10 Notfallgruppen zuordnen:

  • Grosse Blut- und oder Flüssigkeitsverluste nach Erbrechen, Durchfall (z. B. Parvovirose), grossflächige Verbrennungen.
  • Drohende oder bereits eingetretene Verlegung der Atemwege. Fremdkörper (im Kehlkopfbereich festsitzendes Spielzeug) und Schleimhautschwellungen im Rachen (z. B. Insektenstiche), Luftröhren-Risse.
  • Erschwerung oder Behinderung der Atemtätigkeit (Verletzungen oder Tumoren im Brustraum und in der Lunge, akute Asthma-Krisen; allergische Reaktionen auf Insektenstiche).
  • Herz- und Kreislaufprobleme (Schock, Herzkrankheiten, Blutvergiftung, allergische Sofortreaktionen).
  • Teilweiser oder vollständiger Verschluss von Ausscheidungsorganen (Harnwegsverletzungen, Harnröhrensteine, Darmverschlüsse, Magendrehung, Nierenkolik).
  • Wirbelsäulenverletzungen, Nerven-, Nervenbahn- und v. a. Rückenmarksschädigung (z. B. Dackellähme = Bandscheibenvorfall).
  • Hirnstörungen (Krämpfe, Anfälle, Bewusstlosigkeit).
  • Hochfiebrige Infektionskrankheiten (Gefahr der Blutvergiftung durch Bakterien).
  • Offene Brüche, grossflächige oder offene Weichteilverletzungen (Strangulationswunden, tiefe Schürfverletzungen, grossflächige Muskelverletzungen, Sehnenrisse).
  • Verletzungen und akut auftretende Veränderungen am Auge (Linsenluxation, Hornhautverletzungen, Augapfel-Vorfall).

Am meisten schwerst bis lebensgefährlich verletzte Unfallopfer unter den Vierbeinern fordert der Strassenverkehr. Selbstunfälle beim sportlichen Einsatz und in der Freizeit sind eher seltene Ereignisse, wenn man von Beissereien unter Hunden absieht. Gelegentlich enden diese sogar lebensbedrohlich für mindestens einen der beteiligten Raufer. Dies gilt vor allem dann, wenn ein deutliches körperliches oder kräftemässiges Missverhältnis zwischen den Kontrahenten besteht. Perforationen des Brustkorbes oder der Bauchdecke, Wirbelsäulenbrüche, Augenverletzungen (zuweilen Verlust des Auges) und grossflächige Muskelquetschungen können bleibende, wenn nicht tödliche Folgen haben.

 

Abbildung 1 Typische und gar nicht so seltene Unfallverletzung beim Hund: sog. Plexus-Abriss (Durchtrennung des Nervengeflechtes im Achselbereich)

Foto: Dr. D. Koch, Tierspital Zürich

Wesentlich seltener und v. a. viel seltener, als die meisten Tierbesitzer vermuten, sind akute Vergiftungen durch den Verzehr von verdorbenem oder vergiftetem Futter, durch Kontakt mit Gifttieren (z. B. Kreuzotterbisse im Tessin), durch schädliche Medikamente (aus der menschlichen Hausapotheke) oder Chemikalien (z. B. Mäuseköder). Wahrscheinlicher als Vergiftungen sind, v. a. bei jüngeren Tieren, fremdkörperbedingte Darmverschlüsse durch Benagen von Einrichtungsgegenständen und Zerkauen von ungeeigneten Spielsachen.
Vor allem in der warmen Jahreszeit gefürchtet sind allergische Reaktionen auf Insektenstiche, die zu massiven Schwellungen im gesamten Kopfbereich oder gar zur Verlegung der Atemwege führen können. Hitzschläge im Sommer treten v. a. bei im Auto zurückgelassenen Hunden auf.
Typische Notfälle sind auch Trächtigkeits- und Geburtsprobleme. Als hauptsächliche Ursachen kommen Wehenschwäche, Kalziummangel oder Geburtshindernisse (Grössen- oder Lageprobleme, anatomische Defekte) in Frage.
Daneben gibt es aber viele, sich über Tage bis Wochen hinziehende Krankheiten, die plötzlich, scheinbar aus heiterem Himmel, als akute Notfälle in Erscheinung treten. Dazu zählen insbesondere chronische Herz-, Leber- und Nierenleiden, langsam, v. a. im Körperinnern wachsende Tumoren, Vergiftungen, die erst durch die regelmässige Aufnahme kleinster Giftstoffmengen manifest werden, länger bestehende Sickerblutungen in oder aus Hohlorganen (Geschwüre, Verletzungen, Entzündungen im Magen, im Darm, in der Blase, in der Gebärmutter), aber auch die Spätfolgen von lang dauernden Medikamenten-Gaben (v. a. Hormone, Entzündungshemmer, Cytostatika) und von vermeintlich harmlos verlaufenen Unfällen und Verletzungen (Zwerchfellrisse, Blasenrisse, innere Blutungen). Auch Stoffwechselprobleme, wie z. B. eine sich allmählich verschlimmernde Zuckerkrankheit oder eine Steinbildung in Galle, Nieren oder Blase, enden oft, lange Zeit unbemerkt, notfallmässig.

Checkliste gut überprüfbarer Symptome

Anhand einer kurzen Checkliste wichtiger, äusserlich gut überprüfbarer Körpersymptome lässt sich das Ausmass einer Erkrankung oder einer Verletzung auch bei einem unbekannten, herrenlos aufgefundenen Hund schnell, objektiv und zuverlässig überprüfen.

Pupillengrösse und Pupillenreaktion auf einfallendes Licht.

Weit gestellte Pupillen können auf starke Schmerzen, auf Angst oder akuten Stress, auf Hirnstörungen oder beginnende Agonie hinweisen.
Extrem kleine Pupillen sind mögliche Anzeichen von schwer wiegenden Hirn- oder Augenverletzungen.
Ungleichgrosse Pupillen treten oft im Gefolge von Verletzungen im Kopfbereich und nach Schädigung von bestimmten Hirnnerven auf.
Nicht auf Lichteinfall reagierende Pupillen erfordern, wenn der Hund nicht bereits tot ist, unverzüglich eingeleitete Wiederbelebungsversuche (siehe unten).

Bewusstsein und Reaktionsvermögen

getestet durch Ansprechen des Hundes, Zurufen oder In-die-Hände-Klatschen.
Reflex-Bereitschaft; getestet durch Kneifen des Zwischenzehenbereiches, durch sanftes Berühren des Augeninnenwinkels oder der feinen Härchen im Bereich des äusseren Gehörganges.

Atemfrequenz.

Die Anzahl der Atemzüge pro Min. (normal: 10-30, je nach Grösse des Hundes) sowie die Qualität der Atmung (Maul- oder Hechelatmung, sehr langsame und angestrengte Atembewegungen im Bauchbereich etc.) lassen Rückschlüsse über die Art und das Ausmass von Erkrankungen oder Verletzungen zu. Hunde, die unter akuten Atem- oder Herz-Kreislaufbeschwerden leiden, wehren sich oft, solange sie dazu in der Lage sind, gegen eine Seiten- oder Rückenlagerung.

Körpertemperatur

(normal 38.0 - 39.0 C). Bei Minderdurchblutung oder vollständigem Gefässverschluss fühlen sich die entsprechenden Körperpartien kalt und steif an. Im Schock und bei drohendem Kreislaufversagen gilt dies besonders für die Pfoten, die Ohren, die Schnauzengegend, den Schwanz und die äusseren Genitalien. Die Körpertemperatur kann jedoch zuverlässig nur im Körperinnern gemessen werden.

Pulszahl

(normal 70 - 130 pro Minute, wobei grössere Hunde tiefere Werte aufweisen sollten). Der Pulsschlag lässt sich in der Mitte der Oberschenkelinnenseite, im Bereich der Aussenwölbung der Ohrmuschel oder an der Schwanzunterseite fühlen. Nicht nur der Frequenz, sondern auch der Regelmässigkeit und der Qualität des tastbaren Blutflusses sollte Beachtung geschenkt werden.

Schleimhautfarbe

der Innenseite der Augenlider und der Lefzen (normal: Rosa); Akute Atemnot und Sauerstoffmangel bewirken eine bläuliche Verfärbung. Blutzersetzung führt zu einem Gelbstich, der sog. Gelbsucht. Nach grossen Blutverlusten, aber auch bei Herz- und Kreislaufproblemen erscheinen die Schleimhäute blass, mitunter sogar porzellanfarben. Punktuelle oder flächige Blutspritzer in der Schleimhaut sind eine Folge von Blutgerinnungsstörungen. Eine fast schmutzig erscheinende, bräunliche Schleimhautfarbe kann auf Vergiftungen hinweisen.
Das Ausmass eines Blutverlustes (Gesamtblutmenge eines Hundes beträgt ca. 7-8 % des Körpergewichtes) kann anhand der Schleimhautfarbe, derjenige eines grossen Flüssigkeitsverlustes mittels der sog. Hautfaltenprobe (stark verzögertes Zurückgleiten eines mit zwei Fingern abgehobenen Hautstückes im Schulterbereich; "stehende" Hautfalte bei Flüssigkeitsverlusten 8 %) geschätzt werden.

Abbildung 2:
normal hellrosa gefärbte Maulschleimhäute.

Foto: Dr. D. Koch, Tierspital Zürich

Abbildung 3:
deutlich gelb gefärbte Lefzenschleimhaut. Dies lässt auf eine Blutzersetzung infolge Blutzellschädigung oder auf eine massive Lebererkrankung schliessen.

Foto: Dr. D. Koch, Tierspital Zürich

Die wichtigsten Erste-Hilfe-Massnahmen Die in Nothelferkursen für Menschen regelmässig instruierten Erste- Hilfe-Massnahmen lassen sich leicht abgeändert auch auf akut gefährdete vierbeinige Patienten übertragen.
Dabei sollte einigermassen systematisch und nach bewährtem Schema vorgegangen werden.

Das Kurzwort

G

Gibt der Hund Antwort, ist er bei Bewusstsein, zeigt er Reflexe?

A

Atmet er? Wie atmet er? Muss ich ihn beatmen?

B

Blutet er? Muss ich einen Druckverband anlegen?

I

Ist sein Puls i. O.? Hat er Puls oder muss ich eine Herzmassage einleiten? Ist seine Körpertemperatur in Ordnung? Muss ich ihn kühlen oder aufwärmen?

kann dabei als einfache Eselsbrücke verwendet werden.

Massnahmen

Stark blutende Wunden sollten durch einen kräftigen Druckverband, notfalls auch durch kurzfristiges Abbinden oder beherzten Faustdruck in die Wunde ruhig gestellt werden. Offene Wunden, grossflächige Abschürfungen und Hautabrisse müssen sofort trocken mit speziellen Wundauflagen oder einem sauberen, nicht fuselnden Stofftaschentuch abgedeckt und notdürftig für den Transport verbunden werden.
Unterkühlte Patienten wickelt man in trockene, vorgewärmte, auch heisse Tücher oder spezielle Abdeckfolien. Überhitzte Patienten kühlt man durch intensives Fächeln, mit nassen Schwämmen oder durch Auflegen von eisgekühlten Lappen. Das kompakte Zudecken mit grossen, sauberen Tüchern hilft auch die Tiere ruhig zu stellen und ihre Wunden und verletzten Körperpartien vor dem Lecken zu schützen.
Bewusstlosen Hunden dürfen nie, verletzten, verunfallten oder vergifteten Tieren nur auf ausdrückliches tierärztliches Geheiss hin, Flüssigkeiten oder Medikamente eingegeben werden.
Während des Transportes ist darauf zu achten, dass verletzte Hunde möglichst ruhig liegen, ihre verletzten Körperpartien geschützt und die Atemwege stets freigehalten werden. Für Brustlagerung polstert man sie beidseits und unterlegt ihren Kopf so, dass die Luftröhre nicht abgeknickt und die Nasenöffnungen frei liegen. In Seitenlage sollten sie möglichst mit nach vorne ausgestreckten Vorder- und nach hinten weggestreckten Hinterbeinen transportiert werden.
Bei drohendem Atemversagen können die Lungen und der Brustkorb passiv gedehnt und so quasi künstlich beatmet werden, indem beide Vordergliedmassen gleichzeitig ruckartig nach vorne gezogen werden. Eine korrekte Mund-zu-Nase-Beatmung ist bei grossen Hunden bei fest geschlossener Schnauze mit zwischen den Schneidezähnen eingeklemmter, nach aussen gezogener Zunge vorzunehmen. Die Luft wird kräftig, möglichst 6-10 x pro Minute über eine oder beide Nasenöffnungen eingeblasen. Bei sehr kleinen Hunden wird gleichzeitig via Nase und Fang beatmet. Der Erfolg der Beatmung wird durch Auflegen der freien Hand auf den Brustkorb überprüft.
Muss die Maulhöhle freigelegt oder untersucht werden, wird die Zunge des Tieres gefasst und unter stetigem Zug festgehalten. Die andere Hand schafft sich, durch dicke Gartenhandschuhe oder einen als Maulkeil wirkenden, festen Gegenstand (z. B. Schraubenzieher-Griff, Besenstiel, festes Holz) geschützt, Zugang zum Rachenbereich. Auch eine durch eine Hilfsperson gehaltene Oberkieferschlinge bietet Schutz vor den Zähnen.

Setzt die Herztätigkeit aus (bei schlanken Tieren ist der Herzspitzenstoss des schlagenden Herzens in der linken Brustbeingegend auf Ellbogenhöhe tastbar), muss eine Herzmassage eingeleitet werden. Wichtig dabei ist, Herzmassage und künstliche Beatmung zu koordinieren, am besten unter Einbezug einer gut instruierten Hilfsperson. Der Beatmungs- und Massagedruck sowie deren Frequenz müssen unbedingt der Anatomie des Tieres angepasst werden. Im Allgemeinen wird in schneller Folge 10-15 x komprimiert, dann eine ebenso lange Pause eingeschaltet, während welcher 1-2 x beatmet wird.

Bergung, Transport, Erstversorgung Verletzte und unter Schmerzen oder starkem Stress leidende Hunde sind unberechenbar und reagieren auch vertrauten Personen gegenüber nicht selten abwehrend bis hochgradig aggressiv. Deshalb sollten Unfall-Hunde vorsichtshalber durch kräftiges Fassen der Nackenfalte während des Erstuntersuches fixiert werden. Sofern es ihr Allgemeinzustand zulässt, kann man ihnen auch die Schnauze zubinden oder, falls vorhanden, eine Maulbinde oder einen Maulkorb umschnallen. Vor Abwehrbissen schützt man sich, indem man den Kopf des Tieres beiderseits von hinten fassend fixiert. Oft lassen sich Hunde wunderbar ruhig stellen, indem man sie von einer Zweitperson mehr oder weniger herzhaft "umarmen" lässt. Kleine und besonders auch kurzköpfige Hunde können mit einem weichen Tuch um den Hals geschlungen schonend und sicher gehalten werden.
Im Strassenverkehr ist vor der Bergung oder den Erste-Hilfe-Massnahmen am Tier zuerst die Unfallstelle zu sichern.
Schwer verletzte grössere Hunde lassen sich zu zweit in oder auf einer mehrfach gefalteten Decke oder auf einem zur Trage umfunktionierten Brett transportieren, eine sichere Fixierung von Rumpf und Kopf vorausgesetzt (Hilfsperson, breite Gurte, Jacke mit unter dem Hund verknoteten Ärmeln, etc.). Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen muss peinlichst exakt darauf geachtet werden, dass der Patient möglichst in der ursprünglichen Körperstellung geborgen und transportiert werden kann.
Durch Einwickeln in Tücher, durch Anfertigung eines improvisierten Halskragens oder durch Anbringen einer Maulbinde lassen sich verletzte Hunde auch am Lecken ihrer Wunden hindern. Idealerweise bringt man, wo immer möglich, einen sog. Deckverband an. Dieser schirmt das ungeschützte Gewebe gegen das Eindringen weiterer Infekterreger ab. Verbrennungen, Erfrierungen und auch Schilferverletzungen dürfen, ausser nach anders lautender ärztlicher Anweisung, nur trocken und stets mit nicht klebenden Materialien abgedeckt werden.
Kritische Stellen im Bereich des Rumpfes und der oberen Extremitäten schützt man einfach durch das Überziehen eines sauberen Kurz- oder Langarm-T-Shirts.
Ist mit länger dauernden oder beschwerlichen Transporten zu rechnen, müssen verletzte Gliedmassen zusätzlich durch grosszügige, behelfsmässige Polsterung ruhig gestellt werden.
Polsterverbände schränken die Spontanbewegungen des Tieres ein, schirmen verletzte oder exponierte Körperteile gegenüber Druck- und Zugbelastungen ab und tragen so wesentlich zur Schmerzlinderung bei. Beim Anbringen des Notfallverbandes muss darauf geachtet werden, dass mögliche Druckstellen im Bereich der Krallen, Afterkrallen und vorspringenden Knochenpunkte (z. B. Sprunggelenk) gut abgepolstert werden. Der Verband sollte möglichst dick und grossflächig aufgebracht werden und, bei Verletzungen im Bereich der Gliedmassen, jeweils beide benachbarten Gelenke mit einbeziehen. Das zur Polsterung verwendete Material darf jedoch nie direkt mit der Wunde Kontakt haben (zuerst, wie oben beschrieben, einen Deckverband anbringen). Verletzte Bereiche sollten beim Anbringen des Verbandes so wenig wie nötig manipuliert werden.

Abbildungen 4 und 5:
Beim Anbringen eines Polsterverbandes zur Ruhigstellung der Pfote und des Handgelenkes sollte nicht nur der Zehenzwischenraum, sondern auch der Raum zwischen den einzelnen Ballen gut abgepolstert werden. An Polstermaterial darf nicht gespart werden.

Bei stark blutenden Verletzungen sollte ein Druckverband angelegt werden. Meist haben sich die Hunde an Scherben, Klingen, scharfen Kanten oder Schiefergestein beim Spielen, Springen oder Rennen verletzt. Je nach Art und Ort der Blutung und der vorhandenen Ausrüstung eignet sich als Druckmaterial ein mehrfach zusammengefaltetes sauberes Stofftaschentuch, eine kleine Mullbindenrolle, eine oder mehrere Zahnwattenrollen, im Notfall sogar eine Münze, ein kräftiger Finger- oder Faustdruck in die Wunde.
Pulsierende Spritzblutungen müssen herznah, venöse Flächenblutungen herzfern (Ausnahme Halsgegend) unterdrückt werden. Der Wundbereich sollte vorgängig mit einem Schutzverband sauber abgedeckt und gegebenenfalls anschliessend durch einen Polsterverband ruhig gestellt werden. Druckverbände dürfen höchstens während 15 Minuten belassen werden und müssen, falls sie vorher durchgeblutet sind, kontrolliert und erneuert werden.
Das A und O einer korrekten ersten Wundnotbehandlung nicht blutender Wunden ist die sanfte, aber möglichst gründliche Wundreinigung, die Wundspülung mit desinfizierenden, nicht reizenden Lösungen. Besonders geeignet sind Jodverbindungen, die man, je nach Wundtiefe und -beschaffenheit bis 1:10 verdünnt, im Idealfall mittels Plastik-Einwegspritze in die Wunde einbringt. Stehen keine entsprechenden Desinfektionsmittel zur Verfügung, kann man sich durchaus auch mit Trinkwasser behelfen. Keinesfalls jedoch dürfen alkoholische Lösungen (Tinkturen) verwendet werden. Schwer auffindbare Wundbereiche sollte man entsprechend markieren (mit Schere die umgebenden Haare kürzen oder die Haarspitzen mit Permanentfilzschreiber leicht anfärben). Blutende Wunden dürfen ruhig kurz etwas bluten, bevor sie versorgt werden (Wund-Selbstreinigung). Verletzte Pfoten kann man in flachen Behältern baden (z. B. gefülltes Kotsäckli oder faltbarer Wassernapf aus dem Notfallset), wobei man bei nervösen und ängstlichen Tieren am besten mit der nicht verletzten Pfote der Gegenseite beginnt. Wenn in der Haus- oder Reiseapotheke ein für Tiere geeignetes Wundgel oder eine desinfizierende Wundsalbe vorhanden ist, können auch diese grosszügig in oder auf die Wunde gestrichen werde

Haus- und Notfallapotheke

Die Notfall-Apotheke Eine wasserdichte, leicht sauber zu haltende, jederzeit griffbereite und übersichtlich zusammengestellte Hunde-Apotheke sollte in keinem Hunde-Haushalt fehlen. Gut eignen sich beispielsweise Frischhalteboxen oder verschliessbare Leichtmetalldosen. Für Wanderungen, Velotouren und Tagesausflüge kann ein Notfallset zusammengestellt werden, das überall Platz findet, so z. B. eine am Rucksack, am Velo oder am Gürtel zu befestigende regensichere Kleintasche.
Es lohnt sich, den Inhalt der Box auf einer Checkliste festzuhalten, die zum Beispiel an der Deckelinnenseite festgeklebt wird. Dies erleichtert den Überblick und hilft beim Wiederaufstocken.

Abbildung 6:
Je nach Bedarf lässt sich die Grundausstattung der Notfallapotheke problemlos aufstocken - anhand einer Checkliste lässt sich deren Vollständigkeit leicht überprüfen.

Das sollte die Hausapotheke enthalten:

  • dicke Schnur, Maulbinde oder ähnliches
  • Klein(st)taschenlampe, eventuell kleine Lupe
  • Schere und Pinzette
  • 3-4 Verbandstoffbinden, Polsterwatte, Gazetupfer, hautfreundliches Klebepflaster
  • Desinfektionsmittel und -salbe
  • sterile, neutrale Spülflüssigkeit
  • "flüssiges" Wundpflaster (Spray oder Tinktur)
  • hautfreundliches Kühlgel
  • 2, 3 sterile Einwegspritzen mittlerer Grösse
  • faltbarer Wassernapf oder starker, kleiner Plastiksack
  • bewährtes Durchfallmedikament
  • regelmässig zu verabreichende Medikamente
  • eventuell vom Haustierarzt verschriebenes und abgegebenes Medikament bei Insektenstich-Allergien (nur in Ausnahmefällen)
  • Fieberthermometer
  • Hundeschuh
  • Pfotenschutzsalbe
  • Wärme- oder Kältebeutel
  • wärmeisolierende Unterlage (Folie)
  • Halskragen
  • Schwamm
  • evtl. vom Arzt zu verschreibendes Schmerzmittel
  • Notizpapier und Schreibzeug; Tel. / Fax-Nr. des Haustierarztes
  • Impf- und Gesundheitsbüchlein (mit Vermerk über Behandlungen, Medikamenten-Unverträglichkeiten)

Inhalt und Dosierung oder spezielle Anwendungsvorschriften von Medikamenten sollten gut leserlich auf diesen vermerkt sein (Originalverpackung belassen, wasserfeste Beschreibung wählen oder mit durchsichtiger Selbstklebefolie überziehen).
Sofort nach dem Gebrauch sollte die Hausapotheke wieder nachgerüstet werden.
Zum Messen der Körpertemperatur benützt man ein möglichst feines digitales Thermometer, dessen Spitze man mit Vaseline oder Ähnlichem gleitfähig gemacht behutsam, unter leichten Drehbewegungen, in den After des Hundes einführt. Bei kleinen und kurzohrigen Hunden kann man auch das für Kinder empfohlene Ohrthermometer verwenden.
Bei Verdacht auf Vergiftungen oder innere Erkrankungen ist Erbrochenes, Urin, evtl. auch Kot oder Angeknabbertes sicherzustellen und in die Tierarztpraxis mitzubringen.
Eingedrungene Fremdkörper sollten nicht entfernt werden, ausser wenn Erstickungsgefahr besteht (tief in der Maulhöhle, im Bereich des Luftröhren-Einganges steckende Gegenstände). Tief im Rachen sitzende Spielbälle von Hunden z.B. lassen sich eventuell mit Korkenziehern entfernen.
Vor dem Praxis-Anruf greift man vorteilhafterweise zu Schreibzeug und Notizpapier. Nur so können wichtige Telefonnummern, Adressen, Wegbeschreibungen u. a. zeitsparend vorgemerkt werden. Für den Tierarzt wichtig ist eine kurze und präzise Schilderung der akuten Beschwerden des Notfallpatienten und, falls bekannt, Hinweise auf bestehende Krankheiten, Medikamenten- und Narkosemittel-Unverträglichkeiten.

Abbildung 7:
Eine korrekt angebrachte Maulschlinge dient nicht nur der Sicherheit des Helfers, sondern erleichtert und verkürzt den Untersuch.

Engagiertes, korrektes und zielgerichtetes Vorgehen bei der Bergung, der Erstversorgung und dem Transport verbessert die Chancen für die Rettung - mehr können und sollen Erste-Hilfe-Massnahmen nicht bewirken!

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