herpes

Canine Herpesvirus

Ein Alptraum für jeden Züchter. Endlich ist der ersehnte Wurf da, die Welpen und die Hündin haben die Geburt überstanden, doch schon nach wenigen Tagen bekommen die Welpen Durchfall, saugen nicht mehr, jammern kläglich und sterben schließlich.
Eine Ursache für das Welpensterben kann das canine Herpesvirus sein.
Ein Herpesvirus beim Hund, in der Literatur meist als Canine Herpesvirus Typ 1 (CHV-1 ) bezeichnet, wurde im Jahr 1965 in den USA entdeckt. Infektionen mit dem CHV-1 gelten seither weltweit als eine der Hauptursachen des "infektiösen Welpensterbens" in den ersten Lebenswochen.
Über die Auswirkungen von CHV-1 Infektionen beim erwachsenen Hund gibt es wenig Informationen, denn eine frische Infektion beim erwachsenen Hund wird kaum bemerkt. Es kann anfangs ein leichter Schnupfen auftreten, der mit großer Wahrscheinlichkeit übersehen wird. Das Virus bildet dann eine versteckte Infektion; unter Stress kann es zu einer Reaktivierung und zur Ausscheidung der Erreger kommen.
Man kennt es vom Lippenherpes beim Menschen - Nur in diesen akuten Erkrankungsphasen besteht Infektionsgefahr!
Hierfür kommen Ausstellungen, Prüfungen, der Deckakt, die Trächtigkeit, die Geburt und ähnliche Ereignisse infrage.
Es besteht ein Zusammenhang mit der Unfruchtbarkeit der Hündin oder des Rüden, mit Fruchtresorptionen, Aborten, Frühgeburten, Mummifikationen der Früchte und Totgeburten.
Beim erwachsenen Hund besteht keine tödliche Gefahr.
Praktisch alle Hunde mit Kontakt zu anderen Hunden haben schon einmal Kontakt mit dem Herpesvirus gehabt. Das Virus wird durch den direkten Kontakt mit infizierten Hunden übertragen, nämlich erstens über die Nase oder den Fang, z. B. beim Sozialverhalten, zweitens durch die Geschlechtsorgane, z. B. beim Deckakt, oder bei der Geburt und 3. durch die Plazenta während der Trächtigkeit von der Mutter auf die Früchte.
Am häufigsten erfolgt die Infektion der Welpen in den ersten 3 Lebenswochen. Sie infizieren sich zum einen durch das Vaginalsekret während der Geburt zum anderen kann das Virus aber auch nach der Geburt durch den Speichel der Mutter, eines infizierten Wurfgeschwisters oder eines anderen infizierten Hundes, z.B. während des Beleckens der Welpen übertragen werden.
Stark infizierte Welpen hören plötzlich auf zu saugen, fühlen sich schlapp an und schreien und wimmern. Der Kot kann weich und gelb-grün aussehen. Die Leber schwillt an, die Welpen haben Bauchschmerzen. Einige zeigen auch Störungen der Atmung mit Nasenausfluss.
Infizieren sich die Welpen während der Geburt, sterben sie in den ersten Lebenstagen, meist ohne besondere klinische Anzeichen.
Infiziert sich ein Welpe innerhalb der ersten zwei Lebenswochen, besteht in der Regel keine Heilungschance.
Sind die Hunde älter als zwei bis drei Lebenswochen, können sie die Infektion mit der Bildung spezifischer Antikörper, deren Höhe - Titer - entscheidend ist für den körperlichen Schutz.
Bei über 5 Wochen alten Welpen verläuft die Infektion meist so wie bei erwachsenen Tieren.
Gegenwärtig gibt es keine virusspezifische Therapie gegen eine CHV-1 Infektion. Jede Behandlung kann nur eine Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte zum Ziel haben, etwa in Form von Ernährung oder der Gabe von Medikamenten gegen Durchfall.
Die Welpen sollten so warm wie möglich gehalten werden, Umgebungstemperatur ununterbrochen um 38.0 - 39.0 Grad C, z.B. durch Rotlicht, Wärmedecken oder Wärmflaschen. Damit wird das Einhalten einer einheitlichen Körpertemperatur der Welpen unterstützt. Wenn die Körpertemperatur der Welpen nämlich nicht unter die physiologische Grenze fällt, kann sich das Herpesvirus auch nicht optimal vermehren.
Wie kann man sicher feststellen, ob ein Zuchttier CHV-1 infiziert ist? Indem man verdächtige ungeimpfte Tiere einer Blutuntersuchung auf Herpesvirus Antikörper und dessen Titerbestimmung unterzieht. Das Ergebnis liegt spätestens nach wenigen Tagen vor, die Untersuchung ist nicht teuer und hat großen Aussagewert für das weitere Vorgehen. Sind Antikörper vorhanden, ist das Tier schon infiziert und bleibt es lebenslang. Dann ist dringend die Impfung der Hündin anzuraten.
Erst seit kurzer Zeit gibt es eine vorbeugende Impfung gegen das CHV-1 auf dem Markt, welche in Stresssituationen (Deckakt, Geburt ) bei infizierten Hunden eine belastbare, spezifische körpereigene Abwehr gegen das Virus schafft. Es ist durchaus berechtigt, auch nicht auf Herpes-Antikörper getestete Hündinnen zu impfen. Diese Impfung ist sehr gut verträglich und schützt gleichermaßen die Hündin wie auch ihre Welpen.
Dafür muss die Hündin 2 Wochen vor jedem Geburtstermin  geimpft werden.
Diese Impfung ist sehr gut verträglich und schützt gleichermaßen die Hündin wie auch die Welpen.
Leider besteht der hohe Antikörpertiter nach einer Impfung oder Infektion nicht zeitlebens. Er erreicht seinen Höhepunkt drei Wochen nach der Impfung oder Infektion und fällt dann langsam wieder in einen unwirksamen Bereich ab. Dies erklärt, warum zu jedem neuen Deckzyklus auch ein neuer Impfzyklus gehört.
Infizierte Hündinnen, die keinen ausreichenden Herpes-Antikörpertiter besitzen, stellen einen Infektionsherd für andere Hündinnen, Rüden und Welpen dar. Dies birgt eine große Gefahr für die Verbreitung des Virus beim Deckakt und unter mehreren Zuchttieren eines Zwingers.
Die Herpesdiagnostik und -impfung bietet inzwischen eine wirksame vorbeugende und behandelnde Waffe gegen das Virus.


 

 

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