
Berechnung des InzuchtkoeffizientenWas ist Inzucht bzw. Linienzucht, welchen Einfluß hat sie in der Ahnentafel eines Hundes; wie kann man sie berechnen? Welche Grundlagen sind für die heutige Hundezucht wichtig?
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1. Definition:
Linienzucht und Inzucht sind „eine Verpaarung von Tieren, die näher miteinander verwandt sind als der Durchschnitt der Rasse“. (Alle Zitate mit freundlicher Genehmigung aus: M. B. Willis, Züchtung des Hundes; Ulmer Verlag) Man kann höchstens einen graduellen, nicht definierten Unterschied ausmachen: Rein gefühlsmäßig ist Linienzucht "o.k.", der Begriff "Inzucht" ist dagegen negativ besetzt. Das hat keine sachliche Grundlage, da in der Definition tatsächlich kein Unterschied zwischen den beiden Begriffen gemacht wird.
Eine Ausnahme ist die relativ klar davon abgegrenzte sogenannte "Inzestzucht", also die Geschwisterpaarung und Vater- Tochter- bzw. Mutter- Sohn- Paarung, die heute wegen des hohen Risikos unerwünschter Folgen z.B. auch von Seiten des VDH grundsätzlich nicht mehr erlaubt ist. Früher wurden manchmal solche Inzestpaarungen gemacht, meistens als "Testpaarungen", um herauszufinden, was ein Hund denn nun vererbt. Manche Züchter waren damals überzeugt, damit etwas Gutes für die Zucht und für die Rasse zu tun, indem sie einen bestimmten Hund so oft wie möglich in den Ahnentafeln seiner Nachkommen zu verewigen versuchten. Wenn Sie die Geschichte Ihrer Hunderasse unter die Lupe nehmen, werden Sie ganz schnell solche Hunde finden und im Nachhinein vermutlich die guten und die schlechten Folgen gut erkennen können.
Jede Hunderasse für sich hat übrigens einen bestimmten, durchschnittlichen Inzuchtgrad. Das zeigt sich daran, dass sie bei einer Paarung Welpen hervorbringen, die ihrer Rasse entsprechen und nicht irgendwie anders aussehen.

2. Testpaarungen:
Beispiel: Um festzustellen, ob zwei ähnliche Hunde aus ein und derselben Rasse stammen, oder ob sie einfach sich ähnelnde Mischlinge sind, müssen sie miteinander gepaart werden und dann eines der Kinder mit einem der Eltern "rückgekreuzt" werden. Das ist die praktische Umsetzung der ersten und der zweiten Mendelschen Regel, der Uniformitäts- und der Spaltungsregel. So erging es der Frau, die als wohl erste Europäerin eine Tibet Terrier Hündin geschenkt bekam und diese in Großbritannien einführen wollte, mit der englischen Zuchtkommission. Sie mußte zu ihrer Hündin einen ähnlichen Rüden finden, wie oben beschrieben die beiden Testwürfe aufziehen (Verpaarung und erste Rückkreuzung) und dann noch als weiteren Beweis aus dem zweiten, ingezüchteten Wurf einen Welpen aussuchen, ebenfalls aufziehen und mit einem der Großeltern aus dem ursprünglichen Paar, das sie besaß, paaren. Dann wurde die ganze Familie mit den Kindern und Enkeln den englischen Zuchtrichtern vorgestellt, die zu dem Schluß kamen, dass es sich tatsächlich um eine besondere Rasse und nicht um zufällige Ähnlichkeit handeln mußte.
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3. Was passiert bei der Inzucht / Linienzucht:
Die Inzucht oder Linienzucht soll eine Verdoppelung der Gene von einem oder mehreren bevorzugten Vorfahren bewirken, indem er als Ahn eines Hundes mehrfach vorkommt. Einfaches Beispiel: Die Eltern eines Hundes sind Cousin und Cousine, das heißt eine Großmutter des Hundes ist die Schwester eines Großvaters. Siehe auch die Beispiele in Berechnung des Inzuchtkoeffizienten, wo gezeigt wird wie man in Zahlen ausdrücken kann, was das für den Hund selbst bedeutet.
Jede Inzucht verstärkt die Homozygotie, das heißt, die Wahrscheinlichkeit, mit der einzelne Gene auf beiden Allelen gleich sind, wird erhöht. Dadurch wird die Vielfalt dessen, was der einzelne Hund vererben wird, eingeschränkt - im Positiven wie im Negativen.
Negativ: Es können bisher verborgen mitgeschleppte genetische Krankheiten zutage treten. Zufällig oder bewußt weggezüchtete Gene können nicht wieder zurückgeholt werden, außer sie sind in anderen Linien noch vorhanden. Wenn alle Züchter dasselbe Zuchtziel konsequent verfolgen, kann dadurch eine Hunderasse unwiederbringlich an Vielfalt verlieren.
Positiv: Es wird vorhersagbarer, wie die Welpen eines Hundes aussehen werden, wenn er aus einer Linienzucht stammt - welcher Züchter läßt sich schon gern von seiner Hündin überraschen? Das ist also ein großes Plus der Linienzucht. Vorhersagbar natürlich nur für den Fall, dass man die Eigenschaften der Vorfahren des Hundes gut genug kennt!
In den Chromosomensträngen bewirkt die Inzucht das verstärkte "Aufspalten" der sonst durchschnittlich häufig heterozygot (gemischterbig) vorliegenden Gene, vereinfacht genannt Aa oder Bb, so dass sie vermehrt reinerbig vorliegen. A und a symbolisieren zwei unterschiedliche Allele eines einzelnen Gens, groß-A symbolisiert ein dominantes und klein-a ein rezessives, d.h. von groß-A unterdrücktes Gen zu einem beliebigen Merkmal.
Diese Aufspaltung der Merkmale in beispielsweise AA oder aa verursacht eine verstärkte Ausprägung der nun reinerbig vorliegenden Gene, die sich nicht mehr in abgeschwächter, heterozygoter Form, sondern „ungebremst“ homozygot zeigen können. Einfach rezessiv erbliche Merkmale werden überhaupt erst reinerbig sichtbar.
Die Merkmale eines Hundes liegen durch Inzucht vermehrt reinerbig vor, einfach da beide Eltern überdurchschnittlich viele gleiche Gene hatten. Wenn die Eltern selbst bereits ingezüchtet bzw. liniengezüchtet sind, verstärkt sich der Effekt.

4. Inzuchtdepression:
Eine typische negative Folge der Inzucht wird Inzuchtdepression genannt.
Es können ab einem gewissen, relativ hohen Inzuchtgrad allein aufgrund der erhöhten Homozygotie (Reinerbigkeit) die Fruchtbarkeit und die Widerstandsfähigkeit zurückgehen, die Hunde bleiben auch etwas kleiner in der Statur.
Erfahrungsgemäß brauchen offensichtlich Tiere jeder Art einen gewissen Grad an Gemischterbigkeit (Heterozygotie), sonst reagieren sie allgemein anfälliger auf negative Umwelteinflüsse und ihre Vitalität lässt nach. Ausnahmen bestätigen die Regel: Wenn von Anfang an konsequent auf Vitalität und Gesundheit gezüchtet wurde, NUR DANN können auch Hunde mit sehr hohem Inzuchtgrad von über 30% oder 40% topgesund und fit sein! Dokumentiert sind solche Beispiele bei Willis.
Eine geplante Paarung muss grundsätzlich unter dem entscheidenden Inzuchtgrad bleiben, ab dem die negativen Eigenschaften auftreten könnten. Leider gibt es wenig Anhaltspunkte für den maximalen ohne Nachteile bleibenden Inzuchtgrad. Ich meine aus den in der Fachliteratur vorhandenen Beispielen herauslesen zu können, dass tatsächliche Inzuchtdepression erst bei über 20% einsetzen wird, was schon ein sehr hoher und in der Praxis seltener Grad ist. Eine Schwächung in Fruchtbarkeit und Vitalität kann aber auch bei einem Hund ein durch die Inzucht zutage tretendes negatives Merkmal sein, was dann die schlechten Gene und nicht die Methode der Inzucht selbst als Ursache hätte. Eine Abgrenzung ist praktisch kaum möglich. Zu dem errechneten Inzuchtgrad einer Paarung kommt allerdings immer noch der rassespezifische Inzuchtgrad hinzu. Dieser grundsätzlich in jeder Hunderasse vorhandene Inzuchtgrad (sonst würden Boxerwelpen nicht wie Boxer aussehen!) ist außer bei zahlenmäßig sehr kleinen Rassen heute eher gering. Er fließt aber normalerweise in die Berechnung der Inzucht eines Hundes nicht mit ein, da die Rasse in der Definition von Inzucht (s.o.) mit der Ausgangspopulation gleichgesetzt wird: Es wird mit der Formel von S. Wright nur die Erhöhung des Inzuchtgrades einer Paarung im Verhältnis zur Ausgangspopulation (der Rasse) berechnet.
Willis gibt für Boxer und Schäferhunde in Deutschland in den 80er Jahren einen durchschnittlichen rassespezifischen Inzuchtgrad von etwas über 4% an, zahlenmäßig sehr kleine Rassen lagen nach seinen Angaben bei ca. 10%. Nicht vergessen: Inzucht liegt per Definition auch in kleinen Rassen nur vor, wenn man über den Durchschnitt der Rasse eng züchtet. Hier setzt die Inzuchtdepression vermutlich schon früher ein, weil der rassespezifische Grad nicht mitgezählt wird, aber auch seine Wirkung tut. Gerade bei kleinen Rassen ist darum Inzucht mit Vorsicht und Blick auf die Fruchtbarkeit und Vitalität der Hunde anzuwenden. Jeder Züchter wird das für seine Hunde allein beurteilen müssen.

5. "Mischlingszucht":
Hunde, deren Eltern nur nach äußeren Merkmalen ausgesucht wurden und die nicht liniengezüchtet sind, können nach der simplen Regel "gleiches x gleiches ergibt gleiches" mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ihren Eltern ähnlich sehen. Sie werden aber, wenn sie gepaart werden mit anderen Hunden, ihre Eigenschaften an ihre Nachkommen nicht so sicher weitergeben können und hinter der Vererbungskraft eines gezielt liniengezüchteten Hundes zurückbleiben.
Bei dieser neuerdings häufiger empfohlenen Technik, bei der generell mit Blick auf die äußeren Merkmale gezüchtet wird, unter der Bedingung, dass beide Elterntiere wenigstens über 3 Generationen und am besten gar nicht miteinander verwandt sind, wird ein engagierter Züchter, wenn es überhaupt möglich ist, auf jeden Fall sehr lange brauchen, bis er seine Vorstellungen von Rassetyp, Gesundheit und gutem Wesen und Instinkten in seinen Hunden festigen kann.
Weitere Nachteile:
Wenn ohne genaue Kenntnis und ohne die positive Berücksichtigung der Verwandtschaft eines Hundes gezüchtet wird, verlieren die Züchter irgendwann den Überblick über das, was die Hunde da nun eigentlich an Eigenschaften in sich tragen. Folge: Jeder ist mit jedem verwandt, innerhalb der ganzen Rasse. Es ist, selbst wenn man es nun doch möchte, kaum noch eine wirkliche Zuchtplanung möglich. - Bevor dieses Verfahren als beste Zuchtstrategie empfohlen wird, sollte man sich vielleicht überlegen, dass tatsächlich der Mischling für diesen Grundsatz das Ideal ist. Es ist aber nicht richtig, dass Mischlinge grundsätzlich gesünder wären! Die Statistik, die das belegt, muß meiner Ansicht nach erst einmal geprüft werden, ob sie wirklich repräsentativ ist. Bei Mischlingen haben einfach nur die Tiere selbst die Regie übernommen, der Mensch mit all seinen Ideen, Wünschen, Regeln und natürlich auch seinen Eitelkeiten und Fehleinschätzungen ist außen vor geblieben. Davon mag man halten was man will, aber man muß diese "natürliche" Art der Zuchtwahl nicht auf Rassehunde übertragen und das dann "Zucht" nennen.
Unsere Hündinnen zuhause haben eigene Kriterien, nach denen sie sich ihre Rüden aussuchen (würden). Letztendlich ist es ihnen in den Tagen der Hochhitze fast gleichgültig, wen wir da nun tatsächlich besuchen fahren, hauptsache man hat sich vor der Paarung schon mal etwas kennen gelernt und den Zukünftigen als freundlich erlebt. Ganz wenige Hündinnen sehen das etwas enger und lassen sich nur von bestimmten Rüden decken.

6. Das gößte Problem als Folge der Mischlingszucht ist, dass die fast immer in den Ahnentafeln vorhandenen Defektgene nur noch durch Zufall, als eine Art besonders böse Überraschung zutage kommen und man aus deren Auftreten kaum Schlußfolgerungen für die Zucht ziehen kann. Es tritt bei solchen Fällen eine Art Resignation auf und man hört unter Züchtern: "Über soo viele Generationen ist die Ahnentafel (scheinbar!) frei von Genträgern gewesen, und trotzdem hat es diesen Fall gegeben - da kann man eben nichts machen..."
Natürlich muß bei einfach rezessiven Erbgängen in jeder Generation dazwischen mindestens ein Träger sein, denn das Gen wurde über jede einzelne Generation weitergereicht! Der Großvater kann nur das an seinen Enkel weitergeben, was er schon seinem Sohn mitgegeben hat.
Es wird dann sogar darüber gesprochen, dass das doch gar nicht angehen kann mit der rezessiven Vererbung - weil es einfach zu schwer zu akzeptieren ist, wenn plötzlich eine vorher so schöne "saubere" Ahnentafel einem nun kranken Hund gehört. Die Augen zu verschließen und hilflos mit den Schultern zucken bringt aber die Gesundheit der Hunde nicht weiter.
Es ist grundsätzlich keine besonders zukunftsträchtige Zuchtmethode, erwünschte und vor allem unerwünschte Merkmale möglichst breit zu streuen, indem man die Ahnentafeln alle so bunt wie nur möglich hält, in der Hoffnung, dass Krankheiten irgendwann ganz von selbst verschwinden, weil sie sich einfach schon über Generationen nicht mehr bemerkbar gemacht haben. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?
Rezessive Merkmale - z.B. Augenkrankheiten wie die Linsenluxation oder die Progressive Retina Atrophie - werden nie komplett aus den Genen verschwinden, solange es keinen Gentest für die Krankheit gibt. Da rezessive Merkmale nur reinerbig sichtbar sind, könnte man sich da leicht etwas vormachen! Wenn bei einem Hund ein züchterisches Problem auftritt, er z.B. an PRA erblindet, haben Züchter mit Hunden mit sehr gut durchgemischten Ahnentafeln kaum wirkliche Möglichkeiten darauf zu reagieren, denn der erkrankte Hund und seine Eltern sind - dank Mischlingszucht - mit fast allen anderen irgendwie ganz entfernt verwandt. Die betroffene Linie weiträumig meiden hilft nicht, denn es gibt keine Linien mehr. Da hilft nur noch, einen Rüden aus dem Ausland zu importieren, in der schwachen Hoffnung, dass der dieses Problem nicht hat.
Ein paar Tibet Terrier Züchter vor allem im Ausland halten wenige alte Linien separat und züchten sie rein weiter. Ihnen können wir sehr dankbar sein und alles Gute wünschen bei ihrem Vorhaben! Es wäre aber sehr inkonsequent, Rüden dieser Züchter zu importieren, um damit die eigene Zucht zu verbessern, und gleichzeitig diese Art der Zucht abzulehnen.
Wir könnten am besten durch möglichst viel Information über alle Zuchthunde und ihre Verwandtschaft, und durch gezielte, langfristige Zuchtplanung mit gleichzeitigen Kompromissen in allen Bereichen versuchen zu verhindern, dass es neue Fälle der uns bekannten genetischen Krankheiten gibt. Mit simpler Mischlingszucht ist es nicht getan. Nur wenn ich weiß, dass bestimmte Linien von einer bestimmten Krankheit überhaupt nicht betroffen sind, kann ich diese gezielt in der Zucht verwenden. Wenn es diese Linien aber gar nicht mehr gibt, ist guter Rat teuer. Ein Teufelskreis!

7. Vorteile der Linienzucht:
Generell kann man sagen, dass Hunde aus Linienzucht eher das vererben, was sie auch äußerlich zeigen, und ihre Eigenschaften auch stärker vererben als Hunde aus einer Zucht nach äußeren Merkmalen mit dem Grundsatz der Nicht- Verwandtschaft. Da erstere stärker reinerbig sind, ist das nur logisch. Sie bringen also im Endeffekt weniger Überraschungen. Es ist eine bessere Lenkung der Zucht möglich; ich glaube, das ist ein ganz wesentlicher Vorteil.
Der Grund für eine Linienzucht kann nur der sein, dass der Züchter, wenn er so eine Paarung plant, genaue Kenntnis und großes Vertrauen in die Eigenschaften des Hundes hat, auf den er seine Linie aufbauen möchte. Dann wird ihm hoffentlich keine allzu böse Überraschung passieren, denn nur ein Hund, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine schweren Krankheiten vererbt, kann überhaupt als Ausgangstier für eine Linienzucht in Frage kommen. "Nebenbei" muß dieser Hund natürlich auch noch ein besonders guter Vertreter seiner Rasse sein.

8. Mögliche Ziele der Inzucht / Linienzucht:
Das Ziel ist grundsätzlich, die Qualitäten eines bestimmten Hundes in seinen Nachkommen genetisch so zu festigen, dass sie sicher weitervererbt werden.
Eine Binsenweisheit, die viel zu selten berücksichtigt wird ist folgendes: Wenn ein Hund relativ eng gezüchtet ist, vererbt er voraussichtlich seine Eigenschaften stärker als ein genauso guter und schöner, der aus einer nach äußeren Merkmalen oder anderen Beweggründen geplanten Paarung stammt! Hiermit ist erklärt, warum noch so schöne „Mischlinge“ mit möglichst bunter Ahnentafel nicht unbedingt die besten Vererber sind, auch wenn sie äußerlich fehlerfrei und typvoll sind.
Nachweislich übertragen ingezüchtete / liniengezüchtete Hunde ihren Typ verstärkt auf ihre Nachkommen, sie „prägen stärker“. Ein schönes Zuchtziel, oder?
Ein weiteres Ziel ist auch die Möglichkeit, Auskreuzungen machen zu können (s.u.).

9. Die Auskreuzung:
Auskreuzung ist ein wichtiges Instrument der Linienzucht. Es ist eine gute Methode für die Praxis, mit einzelnen Linien gezielte Auskreuzungen machen zu können, da diese Paarungen oft sehr schöne und besonders typische und gesunde Nachkommen bringen.
Man darf gezielte Auskreuzung (ein sogenannter Outcross) nicht verwechseln mit der einfachen Paarung nicht verwandter Tiere, der Mischlingszucht:
Auskreuzung findet nur statt, wenn zu einer Linie, also z.B. zu einer liniengezüchteten Hündin ein genetisch möglichst komplett fremder, selbst aber auch in seiner Linie relativ eng gezüchteter Rüde gepaart wird. Daraus kann man einen neuen Impuls für die eigene Zucht gewinnen. Die Nachkommen aus dieser Paarung sind häufig besonders schöne, kräftige und gesunde Tiere (der berühmte Heterosiseffekt). Hunde aus einer solchen Paarung sind oft sehr gute Ausstellungshunde! Sie können zur "Auffrischung" (Ergänzung) der beiden Elternlinien, also zur Rückkreuzung in eine der beiden Ursprungslinien zurück sehr gut geeignet sein, sind aber voraussichtlich keine besonders starken Vererber, da sie einen sehr hohen, weit über dem Rassedurchschnitt liegenden Anteil an heterozygoten Genen besitzen (AaBbCcDd) und daher so etwas wie ein perfektionierter Mischling oder das perfekte Mittelmaß sind. Sie werden wahrscheinlich weniger einheitliche Welpen hervorbringen als andere Hunde.
Die Ausgangslinien müssen grundsätzlich möglichst getrennt weitergeführt werden, schon bei der Paarung zweier ausgekreuzter Hunde untereinander, mit verschiedenen Elternlinien, verliert sich dieser Effekt nahezu komplett! Im Unterschied zur Auskreuzung werden "normale" Mischlinge (auch "Mischlinge" innerhalb einer Rasse) aus keinen bestimmten Linien gezüchtet. Es tritt darum kein Heterosiseffekt auf, sie werden entgegen mancher Annahme nicht überdurchschnittlich gesund und rassetypisch.










